Bei so gut wie jedem Anbieter, der in Deutschland Glasfaser verlegt, gilt dieselbe Logik. Während der sogenannten Vorvermarktung oder Nachfragebündelung, also solange noch entschieden wird, ob und wo gebaut wird, ist der Anschluss kostenlos oder stark rabattiert. Voraussetzung ist meist, dass Eigentümer oder Hausverwaltung dem Ausbau zustimmen und rechtzeitig ein Tarif gebucht wird. Danach ändert sich der Ton. Muss der Bautrupp später noch einmal für ein einzelnes Haus anrücken, wird abgerechnet. Und zwar zu Preisen, die viele Anbieter am liebsten gar nicht erst öffentlich nennen. Deswegen, so viel sei vorab gesagt, bist du gut beraten, beim Glasfaserausbau dabei zu sein – zumindest, wenn du Eigentümer bist.
Was die großen Netzbetreiber konkret verlangen
Wir haben uns die Preisseiten der wichtigsten bundesweiten und regionalen Anbieter angeschaut. Was kostet der Ausbau, wenn die ganze Straße aufgerissen wird? Und was kostet es, wenn ich mich ein paar Monate oder Jahre nach dem Ausbau für einen Anschluss an das Glasfasernetz interessiere? Was kaum jemand wirklich weiß: Auch die Deutsche Telekom verschenkt ihren Hausanschluss nicht. Jedenfalls nicht, wenn du erst nach dem Ausbau in deiner Straße buchst. Bei der Telekom kostet der Hausanschluss regulär 999,95 Euro. Das teilt der Konzern auf seiner eigenen Website unmissverständlich mit. Aber inklusive der Ansage, dass diese Summe entfällt, wenn Eigentümer oder Hausverwaltung dem Ausbau nicht widersprechen und rechtzeitig ein Glasfasertarif gebucht wird. Bei Neubauten gilt der volle Preis übrigens immer, Aktion hin oder her.
Bei der Konkurrenz wird es unübersichtlicher. Deutsche Glasfaser verlegt kostenlos, sobald sich in einem Ausbaugebiet genug Haushalte für einen Vertrag entscheiden. Was danach fällig wird, verrät das Unternehmen auf seinen öffentlichen Seiten nicht in einer festen Zahl. Vergleichsportale nennen Werte zwischen 750 und 1.500 Euro, teils sogar mehr. Bei GlasfaserPlus, dem gemeinsamen Ausbauunternehmen von Telekom und dem Investor IFM, ist der Anschluss inklusive bis zu 20 Meter Innenverkabelung kostenlos, sofern du den Leitungsweg selbst vorbereitest. Was eine spätere Erschließung kostet, steht auch hier nirgends schwarz auf weiß.
Deutlich transparenter ist DNS, ein Regionalanbieter für Berlin, Brandenburg und Teile Sachsen-Anhalts. Vor Abschluss der Trassenbauarbeiten kostet der Anschluss bis zu zehn Meter Leitungslänge 0 Euro. Danach werden pauschal 990 Euro fällig, für jeden weiteren Meter kommen 58 Euro dazu. Auffällig ist, wie viele Anbieter genau bei der Zahl schweigen, die für dich am wichtigsten wäre: dem Preis für alle, die die Ausbauphase verpasst haben. Genau da, wo Transparenz am nötigsten wäre, endet sie meistens.
Wie viel kostet das Verlegen der Leitung wirklich?
Doch warum berechnen die Anbieter überhaupt Tausende Euro für eine einzelne Leitung? Die Antwort ist einfach: weil die Ausbaukosten hoch sind. Wie teuer es ist, eine Leitung zu dir zu legen, zeigt eine BREKO-Studie, die wir bereits genauer aufgeschlüsselt haben: Allein die Leitung bis vors Haus kostet den Anbieter im Schnitt 600 bis 1.350 Euro. Soll die Faser bis in die Wohnung, können daraus fast 4.000 Euro werden. Bucht ein Netzbetreiber diese Summe während des Ausbaus für dich ab, schenkt er dir also keine Kleinigkeit. Rollen später die Bagger nur für dich noch einmal, sind die Kosten weitaus höher – allein schon wegen der individuellen Planung und der Anfahrtskosten.
Mehrfamilienhaus: Wer zahlt eigentlich?
Aber wer zahlt eigentlich für den Anschluss? Bei Eigenheimen ist die Rechnung noch einigermaßen klar: der Eigentümer. Bei Mehrfamilienhäusern trennen sich Hausanschluss und Inhouse-Verkabelung. Und genau dort wird es kompliziert. Insbesondere, wenn auch noch Mieter im Spiel sind.
Drei Modelle sind in der Praxis verbreitet. Erstens: Der Netzbetreiber baut komplett bis in jede Wohnung, kostenlos für Eigentümer und Mieter. So funktioniert es etwa bei SWM/M-net in München, sofern das Gebäude bereits ein bestehendes FTTB-Netz hat. Zweitens: Der Betreiber baut nur bis zum Hausübergabepunkt im Keller, die Verkabelung bis in die Wohnungen muss die Eigentümergemeinschaft selbst beauftragen und zunächst bezahlen. Drittens: Ein Telekommunikationsunternehmen errichtet das komplette Gebäudenetz und refinanziert sich über das sogenannte Glasfaserbereitstellungsentgelt.
Genau dieses Entgelt sorgt regelmäßig für Verwirrung, deshalb einmal sauber nach Paragraf 72 Telekommunikationsgesetz. Dieses Entgelt wurde vor drei Jahren eingeführt, als man sich dafür entschied, das Nebenkostenprivileg fürs Kabel-TV abzuschaffen. Vermieter dürfen höchstens 5 Euro im Monat beziehungsweise 60 Euro im Jahr je Wohneinheit auf die Betriebskosten umlegen, insgesamt aber nicht mehr als 540 Euro pro Wohneinheit. Das gilt regulär für bis zu fünf Jahre. Nur wenn die Kosten mehr als 300 Euro betragen und dieser Zeitraum zur Refinanzierung nicht reicht, darf sich die Umlage auf bis zu neun Jahre verlängern. Der Betreiber muss das begründen. Fünf Jahre sind also der Normalfall, neun die Ausnahme mit Begründungspflicht. Voraussetzung ist außerdem, dass das Gebäudenetz komplett aus Glasfaser besteht und du als Mieter deinen Anbieter frei wählen kannst.
Glasfaser-Anschlusskosten im Überblick
| Anbieter | Während Ausbau/Nachfragebündelung | Nach Abschluss des Ausbaus |
|---|---|---|
| Telekom | kostenlos bei Zustimmung und Tarifbuchung | 999,95 € (Neubauten immer 999,95 €) |
| Deutsche Glasfaser | kostenlos ab Erreichen der Mindestquote | keine Anbieterangabe, Drittquellen: 750 bis 1.500 € |
| GlasfaserPlus | kostenlos, inklusive bis 20 Meter Inhouse-Verkabelung | keine Pauschale öffentlich genannt |
| DNS:NET (Berlin/Brandenburg) | 0 € bis 10 Meter vor Trassenbauabschluss | 990 € bis 10 Meter, plus 58 € je Mehrmeter |
| Westconnect/E.ON Highspeed | in MFH-Aktionen kostenlos, beworbener Wert bis 1.547 € | keine Pauschale öffentlich genannt |
| Deutsche GigaNetz | 0 € mit Tarif in Vermarktungsphase | 990 € mit Tarif, 1.990 € ohne Tarif |
| TNG Stadtnetz | kostenlos in Aktionsphase, 20 Meter Tiefbau inklusive | keine Pauschale öffentlich genannt |
| goetel | kostenlos, beworbener Wert 1.290 € | keine Pauschale öffentlich genannt |
| NetCologne | kostenlos bei rechtzeitiger Genehmigung | keine Pauschale öffentlich genannt |
| SWM/M-net (München) | kostenlos bis in die Wohnung bei bestehendem FTTB-Netz | keine Pauschale öffentlich genannt |
Kleinere Regionalanbieter: viel Aktionswerbung, wenig Preisliste
Neben den bundesweiten oder überregionalen Playern gibt es weit über hundert Stadtwerke, Zweckverbände und regionale Carrier, die selbst Glasfaser verlegen: wilhelm.tel und EWE/osnatel im Norden, NetAachen und BBV Deutschland im Westen, LEW TelNet und komro in Bayern, NetCom BW und Stiegeler im Südwesten sowie envia TEL und SachsenEnergie im Osten, um nur eine Auswahl zu nennen. Bei fast allen findest du dasselbe Muster wie bei den Großen: während der Ausbauphase kostenlos, danach häufig nur auf individuelle Anfrage. Eine öffentlich einsehbare Preisliste für die spätere Erschließung ist bei den meisten dieser Anbieter schlicht Fehlanzeige.
Was du konkret tun solltest
Wohnst du in einem angekündigten Ausbaugebiet, lohnt sich fast immer die Zustimmung zum kostenlosen Anschluss, selbst wenn du aktuell keinen Anbieterwechsel planst. Der BREKO-Verbandsexperte Sven Knapp warnte kürzlich in einem Interview mit inside digital genau davor, das Angebot mit dem Argument „DSL reicht doch noch“ auszuschlagen. Seine Zahl für den nachträglichen Anschluss: 500 bis 2.000 Euro, oft mehr. Das entspricht den Zahlen, die die Anbieter selbst nennen, die ihre Preise bekannt geben.
Bevor du bei deinem Anbieter unterschreibst, helfen diese Fragen weiter:
- Ist der Hausanschluss auch ohne gleichzeitige Tarifbuchung kostenlos oder nur in Kombination mit einem Vertrag?
- Bis wann genau läuft die kostenlose Phase in deiner Straße?
- Wie viele Meter Innenverkabelung sind im kostenlosen Angebot enthalten, was kostet jeder weitere Meter?
- Wer zahlt bei einem Mehrfamilienhaus die Verkabelung vom Keller bis in die einzelnen Wohnungen?
- Falls ein Glasfaserbereitstellungsentgelt erhoben wird: Wie hoch, für wie lange, und ist die Begründung für eine Verlängerung über fünf Jahre hinaus dokumentiert?
Bist du Mieter, reicht meist ein Hinweis an die Hausverwaltung. Für bauliche Maßnahmen am Gebäude braucht der Anbieter ohnehin die Zustimmung des Eigentümers, nicht deine. Was dabei technisch passiert und wie du als Telekom-Kunde konkret vorgehst, haben wir in einem eigenen Ratgeber Schritt für Schritt aufgeschrieben.


