Xpeng L03 oder VW ID. Cross: Das Duell der Gegensätze

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Xpeng L03 oder VW ID. Cross: Das Duell der Gegensätze


Der Sommer 2026 setzt dir gleich zwei frische Elektro-SUVs vor die Nase – und beide zielen auf denselben Geldbeutel. Volkswagen hat den ID. Cross enthüllt, ein kompaktes Elektro-SUV, das der Hersteller selbst gern als „Premium im Kleinformat“ verkaufen möchte. Fast zeitgleich rollt der chinesische Hersteller Xpeng mit dem L03 an. Einem SUV-Coupé, das das bislang günstigste Modell der aufstrebenden Marke ist. Auf dem Papier trennen die beiden nur ein paar Hundert Euro – unter dem Blech aber eine ganze Menge. Wir schauen genauer hin.

Beim Preis liegt der Teufel im Detail

Fangen wir mit der Zahl an, auf die du zuerst schaust. Der ID. Cross startet laut VW schon bei 27.995 Euro. Klingt erst mal nach klarem Punktsieg – ist aber ein kleiner Taschenspielertrick. Dieser Einstiegspreis gilt für die Basisversion „Trend“ mit magerer 37-kWh-Batterie und 85 kW (116 PS), und die kannst du zum Marktstart noch gar nicht bestellen. Wer jetzt zuschlagen will, bekommt zunächst nur die dicker ausgestattete Variante mit 155 kW (211 PS) und großer 52-kWh-Batterie – und die kostet ab 36.525 Euro.

VW ID. Cross in der Seitenansicht.
Mit dem VW ID. Cross kommt ein weiteres kompaktes SUV in den Handel. Image source: VW

Und damit sind wir plötzlich mitten im Xpeng-Revier: Der L03 beginnt mit 180 kW / 245 PS bei 35.600 Euro. Heißt für dich unterm Strich: Wenn du heute in beide Konfiguratoren gehst, nehmen sich die zwei preislich fast nichts. Der große Preisvorteil des VW existiert vorerst nur in der Theorie – bis die günstigen Trend-Versionen wirklich lieferbar sind, kann noch etwas Zeit ins Land gehen.

Xpeng L03 in der seitlichen Frontansicht.
Der Xpeng L03: neues Einstiegsmodell der chinesischen Marke. Image source: Xpeng

Reichweite und Laden: Hier zieht der L03 davon

Interessanter wird es, wenn man die technischen Daten etwas tiefergehender analysiert. Der ID. Cross schafft nach WLTP bis zu 427 Kilometer und lädt am Schnelllader je nach Batterie mit 90 bis 105 kW – von 10 auf 80 Prozent brauchst du damit laut Hersteller bestenfalls knapp 25 Minuten. Solide Kompaktklasse-Werte, mehr aber auch nicht.

Der Xpeng kontert deutlich forscher. Bis zu 445 Kilometer sind in der Standard-Range-Version drin. Wer 3.000 Euro mehr investiert, bekommt die Long-Range-Version mit bis zu 520 Kilometern WLTP-Reichweite. Und beim Laden spielt dieses E-Auto – typisch für Xpeng – in einer anderen Liga. Bis zu 236 kW Ladeleistung sind drin, womit der Akku laut Hersteller unter optimalen Bedingungen in nur 18 Minuten von 20 auf 80 Prozent klettert. Beim Basismodell sind es „nur“ 193 kW.

Xpeng L03 Heckansicht in der Stadt geparkt.
Xpeng L03 in der Heckansicht. Image source: Xpeng

Wer viel Langstrecke fährt, dürfte diesen Unterschied an jeder Raststätte beim Laden spüren. Und bei der Leistung legt Xpeng auf Wunsch sogar noch ordentlich oben drauf. Die Topversionen leisten bis zu 285 kW (388 PS) und es gibt sie auf Wunsch mit Allradantrieb. Beim VW ist bei 211 PS und Frontantrieb Schluss.

Ein netter Bonus für Unentschlossene: Den L03 wird es ab Herbst auch als „Range Extender Electric Vehicle“ (REEV) geben. Dabei treibt zwar weiterhin nur der E-Motor die Räder an, ein kleiner 1,5-Liter-Benziner lädt aber unterwegs die Batterie nach. Xpeng verspricht damit bis zu 1.000 Kilometer Reichweite – praktisch für alle, die dem reinen Stromer noch nicht ganz trauen. Nach einem ganz ähnlichen Prinzip rollt beispielsweise auch der Leapmotor B10 Hybrid EV über die Straßen.

Platz und Alltag: Der VW spielt seine Trümpfe aus

Damit der L03 jetzt nicht als Übermodell dasteht: Der VW hat durchaus Argumente. Trotz kürzerer Karosserie (4,15 gegenüber 4,65 Meter) packt der ID. Cross mit 475 Litern spürbar mehr in den Kofferraum als der L03 mit seinen 367 Litern. Die coupéhafte Dachlinie des Xpeng kostet viel Stauraum. Dazu darf der VW mit großer Batterie bis zu 1.200 Kilogramm an den Haken nehmen. Stattet man den Xpeng L03 mit einer optional erhältlichen Anhängerkupplung aus, sind sogar 1.500 Kilogramm gebremste Anhängelast möglich. Spannend dürfte auch ein Blick auf die zweite Sitzreihe sein. Denn der Xpeng verspricht dank 2,85 Metern Radstand mehr Platz im Fond als der ID. Cross mit 2,60 Metern.

VW ID. Cross Heckansicht
In der Heckansicht des VW ID. Cross treten die SUV-Gene deutlich zu Vorschein. Image source: VW

Beim Thema Vertrauen und Service hat VW hingegen einen Heimvorteil: dichtes Werkstattnetz, bekannte Größe, kalkulierbarer Wiederverkaufswert. Xpeng kontert mit einer selbstbewussten Garantie von sieben Jahren bis 160.000 Kilometer und acht Jahren auf die Batterie. Die Batteriegarantie gibt es auch bei VW, ansonsten aber nur zwei Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Und noch eine kleine Kuriosität am Rande: Volkswagen ist mit fünf Prozent an Xpeng beteiligt. Die beiden Kontrahenten sind sich also zumindest auf dem Papier näher, als das Duell vermuten lässt.

Das eigentliche Highlight steckt in der Software

Und der spannendste Unterschied ist am Ende gar keine Kilowattstunde oder PS-Zahl, sondern eine Zeile Code. Xpeng hat rund um den L03 nämlich auch seinen „Next Generation Pilot“ (NGP) vorgestellt und will das System für autonomes Fahren auf Level 2++ ab 2027 weltweit ausrollen. Vorausgesetzt, der Gesetzgeber spielt mit.

Zur Premiere ließ sich Xpeng-Chef He Xiaopeng höchstpersönlich im L03 durch den Münchner Stadtverkehr chauffieren, inklusive enger Altstadtgassen und „Rechts-vor-Links“-Passagen. Rückenwind kommt aus Genf: Die zuständige UN-Kommission bereitet mit der Regelung UNR 171 den rechtlichen Rahmen vor, der voraussichtlich Ende 2026 in europäisches Recht überführt wird.

VW setzt mit dem „Connected Travel Assist“ und erstmals einer Ampelerkennung ebenfalls einen drauf – bleibt aber vom Anspruch her klar diesseits dessen, was Xpeng ankündigt. Man merkt: Die Chinesen wollen das Rennen nicht nur über den Preis gewinnen, sondern über die Rechenleistung und Mehrwert für die Person hinter dem Lenkrad. An dieser Stelle muss aber auch der Hinweis darauf gestattet sein, dass im L03 nur das spätere Topmodell mit NGP verfügbar sein wird. Auch andere Fahrassistenten wie ein aktiver Spurwechselassistent oder ein Rückfahr-Assistent bleiben dem teuersten Modell vorbehalten.

VW ID. Cross oder Xpeng L03?

Streng genommen ist diese Frage natürlich etwas unfair. Denn die Autos fahren in unterschiedlichen Klassen. Der Xpeng L03 als C-Klasse-Kompakt-SUV, VW im B-Segment. Außerdem hängt die passende Wahl ehrlicherweise von deinem Fahrprofil ab. Willst du viel Reichweite, nicht zimperliche Ladegeschwindigkeit und einen Hauch Zukunftstechnik inklusive serienmäßigem Head-up-Display und ist dir eine noch junge Marke nicht zu heiß, führt am Xpeng L03 kaum ein Weg vorbei.

Zählt für dich dagegen Kofferraum-Ladevolumen, ein vertrautes Händlernetz und die Aussicht auf eine später wirklich günstige Basisversion, ist der VW ID. Cross die entspanntere Wahl. Was beide gemeinsam haben: Sie zeigen, dass ordentliche E-Mobilität langsam auch unter 40.000 Euro richtig Spaß macht. Und genau das ist die eigentlich gute Nachricht.

Der Xpeng L03 macht schonungslos deutlich, wie neu die Karten auf dem Automobilmarkt gegenwätig gemischt werden. Wolfsburg punktet beim ID. Cross noch mit Kofferraum und Händlernetz – doch bei Reichweite, Ladetempo und Software-Ambition zeigt Xpeng, wo der Hammer hängt. Die Chinesen liefern zum gleichen Preis schlicht mehr Technik und legen mit dem NGP-Autonomieversprechen für 2027 eine Kampfansage obendrauf. Abgehängt ist die deutsche Industrie nicht, aber der Weckruf ist unüberhörbar. Wer jetzt nicht Gas gibt, sieht bald nur noch Rücklichter.