Platz 30 von 30: So arm ist Deutschland

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Platz 30 von 30: So arm ist Deutschland


Ein reiches Land. Das ist die Botschaft, die die UBS mit ihrem „Global Wealth Report 2026“ in die Welt schickt. Über 10 Prozent soll das weltweite Privatvermögen 2025 gewachsen sein. Und Deutschland? Mit durchschnittlich rund 303.600 Euro Vermögen pro Erwachsenem liegt die Bundesrepublik komfortabel im europäischen Mittelfeld – vor Frankreich (rund 299.000 Euro), Spanien (rund 268.400 Euro), Italien (rund 244.800 Euro) und Großbritannien (rund 256.500 Euro). Klingt nach Wohlstandsland. Doch dieselbe Studie enthält noch eine zweite Zahl.

Der Grieche hat mehr als der Deutsche

Und die erzählt eine völlig andere Geschichte: Beim Median-Vermögen – also dem Vermögen des Menschen genau in der Mitte – landet Deutschland auf Rang 30 von 30. Letzter Platz. Ohne die Verzerrung durch ein paar sehr Reiche liegt Deutschland unter jedem großen europäischen Vergleichsland. Unter Frankreich (rund 106.800 Euro). Unter Spanien (rund 97.700 Euro). Unter Italien (rund 114.800 Euro). Unter Portugal. Und unter Griechenland.

Ja, richtig gelesen: Der typische Deutsche besitzt laut UBS weniger als der typische Italiener, Spanier oder Franzose. Und weniger, als der typische Grieche. Das Land, das der deutschen Öffentlichkeit seit der Eurokrise als Sinnbild für Misswirtschaft und Staatsschulden verkauft wurde – dieses Land hat einen wohlhabenderen Median-Bürger als die vermeintliche Wirtschaftsmacht Deutschland. Rund 46.850 Euro Median-Vermögen für den Deutschen. Rund 51.830 Euro für den Griechen. Von 30 verglichenen Industrieländern landet Deutschland damit auf dem letzten Platz.

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Wie passt das zusammen?

Zwei Zahlen. Ein Land. Zwei komplett verschiedene Realitäten. Der Unterschied liegt in der Statistik. Der Durchschnitt addiert alles und teilt durch alle. Klingt fair. Ist es aber oft nicht. Denn wenn ganz oben ein paar extrem Reiche sitzen, ziehen sie den Schnitt nach oben. Dabei ändert sich für die Mehrheit schlicht und einfach nichts.

Oder anders gesagt: Wenn zehn Leute in einer Kneipe sitzen und einer besitzt drei Yachten, wirkt die Runde statistisch ziemlich wohlhabend. Die anderen neun trinken trotzdem ihr letztes Bier auf Dispo.

Der Median funktioniert anders. Er zeigt nicht die Spitze, sondern die Mitte. Keine Milliardäre, die den Wert aufblasen. Kein Statistik-Make-up. Und genau deshalb wird es für Deutschland unangenehm.

Ungleich verteilt wie kaum anderswo

Während in Luxemburg das Median-Vermögen bei umgerechnet fast 347.000 Euro liegt – also fast achtmal so hoch wie in Deutschland –, fällt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich komplett durch. Noch deutlicher wird das beim Blick auf den Gini-Koeffizienten – die Kennzahl für Vermögensungleichheit.

Null bedeutet: Alle haben gleich viel. Eins bedeutet: Einer hat alles. Deutschland kommt auf 0,67. Das ist deutlich ungleicher als in Großbritannien (0,59), Frankreich (0,57), Spanien (0,57) oder Italien (0,54). Oder auch als Polen (0,57) und Ungarn (0,56). Also ungleicher als praktisch jedes große Land, das medial gerne als „die unsoliden Südeuropäer“ oder „die armen Osteuropäer“ gehandelt wird. Doch, warum ist das so?

Deutschland spart viel – aber oft falsch.

Während in Ländern wie den USA oder Schweden große Teile des Vermögens in Aktien, Fonds oder Unternehmensbeteiligungen stecken, setzen viele Deutsche traditionell auf Sparbücher, Versicherungen und später auf Immobilien. Das Problem: Vieles wächst langsam oder ist kaum verfügbar.

Nur 24 Prozent des deutschen Vermögens gelten laut UBS als liquide – also als Geld, Aktien oder Fonds, die schnell verfügbar sind. In den USA sind es 47 Prozent, in Australien 40 Prozent. Der Rest steckt in Wänden, Dächern und Lebensversicherungen: gut fürs Gefühl, aber wenig hilfreich, wenn plötzlich das Auto kaputtgeht oder die Waschmaschine den Geist aufgibt.

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Hinzu kommt: Deutschland hat eine hohe Mieterquote, hohe Abgaben und ein starkes Rentensystem, das viele Vermögensaufbau-Aufgaben übernimmt, die anderswo privat organisiert werden. Das macht das Land nicht arm. Aber es macht seine Bürger oft deutlich weniger vermögend, als die großen Durchschnittszahlen vermuten lassen.

Das eigentliche Problem

„Deutschland ist reich“ stimmt. Zumindest wenn man auf die Summe schaut. Für viele Menschen fühlt sich dieser Reichtum aber an wie ein Schaufenster: sichtbar, aber unerreichbar. Die UBS formuliert es selbst erstaunlich offen: Durchschnittswerte können Länder reicher aussehen lassen, als sie tatsächlich sind. Genau das scheint in Deutschland der Fall zu sein. Ein wohlhabendes Land mit einer vergleichsweise schwachen Mitte. Wenige trinken Champagner, der Rest Leitungswasser.

Alle Beträge wurden zum Wechselkurs vom 1. Juli 2026 (1 USD ≈ 0,8786 Euro) umgerechnet. Die UBS-Originaldaten weisen Stand Ende 2025 aus; da der Euro seit dem Berichtsstichtag leicht zugelegt hat, sind die Euro-Beträge nicht exakt mit dem historischen Kurs identisch, geben aber die relativen Verhältnisse zuverlässig wieder.